Yarn-Bombing oder das in Europa mehr geläufige Urban-Knitting hat noch viele weitere Bezeichnungen im Laufe seiner Entwicklung erhalten. So ist es in diesem Zusammenhang auch als Wool-Bombing, Yarn-Storming, Guerrilla-Knitting, Kniffiti oder Graffiti-Knitting bekannt. All diese Begriffe werden dann zu einer großen Hauptgruppe bzw. zu einem Oberbegriff zusammengefasst. Yarn-Bombing gilt als eine relativ neue Kunstrichtung. Die dabei verwendeten Stile und Ausarbeitungen können stark variieren. Der große Unterschied zwischen Urban-Knitting und anderen urbanen Kunstrichtungen ist jedoch der Zweck und die Absicht der Künstler hinter ihren Werken. Während beispielsweise Styles oder Tags normalerweise dazu gedacht sind, ein Territorium zu beanspruchen, besteht die Hauptmotivation von Yarn-Bombing darin, Leben, Wärme und ein Gefühl der Zugehörigkeit in die Gemeinschaft zu bringen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Künstler den tristen grauen versiegelten urbanen Raum in etwas fass- und erlebbares mit ihrer Kunst verwandeln wollen.

GESCHICHTE DES YARN-BOMBING

Yarn-Bombing (Urban-Knitting) ist ein ziemlich neues Phänomen der Streetart Die ersten Arbeiten die auf diese Kunstrichtung zurückzuführen sind stammen aus dem Jahr 2002. Der uns heute bekannte Oberbegriff setzte sich erstmals 2005 durch und fand dann seine eigene feste Stellungen der  Straßenkunst. Zuerst begann es als Art „wärmende“ Überzieher von Objekten. Verwendet wurden hierfür meist konventionell zusammengenähte, gestrickte oder gehäkelte Arbeiten. Im Laufe der Zeit begannen die Künstler thematisch komplexe objektbezogene softe Designs zu entwickeln. Nach und nach wurden das aus Japan stammende Amigurumi in die Yarn-Bombing Werke mit integriert. Es handelt sich hierbei um kleine Tierpuppen, Gegenstände, Lebensmittel oder auch anthropomorphe Objekte. Später wurden dann markante Techniken und Urban-Knitting spezifische Stile von den Künstler kreiert und entwickelt.

Dank des Internets konnte das amerikanische Yarn-Bombing seinen Bekanntheitsgrad schnell weltweit ausbauen. Die Verbreitung der von den Künstlern gefertigten Arbeiten in den sozialen Medien war ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs.

STÄDTISCHE UMGEBUNGEN MIT GARN VERSCHÖNERN

Während Yarn-Bombing (Urban-Knitting) auch verwendet werden kann, um die Aufmerksamkeit auf die Welt um uns herum zu lenken, ist die Hauptaussage und Intention der Künstler und ihrer Werke aber eine ganz andere. In den meisten Fällen wollen die Akteure etwas Lustiges, Schönes und in den selten etwas zum Nachdenken schaffen.

Yarn-Bombing ist eine großartige Möglichkeit, die Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken, das sonst unbemerkt bleibt, wie ein Baum, eine Statue oder ein zufälliger Straßenpfosten. Die Aufmerksamkeit auf diese Dinge zu lenken, kann ein Statement abgeben, eine Geschichte erzählen, einen Witz enthalten. Es soll zudem die Schönheit von etwas zeigen, das vorher als nicht attraktiv angesehen wurde. Mittlerweile wird es sogar für Werbekampagnen verwendet, um Kunden anzuziehen. Der Hauptzweck von Urban-Knitting besteht darin, Passanten aufzuhalten und sie dazu zu bringen, ihre Routine für einen Moment zu unterbrechen, um über etwas Unerwartetes nachzudenken.

BERÜHMTE YARNBOMBER

Zeitgenössische Yarnbomber und Aktionskünstler definieren die Tradition des Strickens und Häkelns neu und bringen das Garn aus dem Haus und in die Welt. Die folgenden Yard-Bombing Künstler erfinden die Beziehung zu dieser farbenfrohen Tradition neu und setzen damit einen kreativen Akzent, während sie einen der neuen Trend der zeitgenössischen Kunst schaffen.


Magda Sayeg

Die in Austin, Texas lebende Textilkünstlerin gilt als die Begründerin der Yarn-Bombing-Bewegung. Ihre wegbereitende Arbeit begann damit, Strickereien im Graffiti Stil auf die Straße zu installieren und damit eine textile Graffiti Revolution auszulösen, die die Welt dann später als Urban-Knitting eroberte.

Agata Oleksiak

Agata Oleksiak alias Olek gehört zu den bekanntesten Vertreterinnen des Yarn-Bombing. Ihre akribischen, detaillierten Arbeiten umfassen Skulpturen, Installationen, aufblasbare Objekte sowie Faserkunst. Sie hat in verschiedenen Ländern ausgestellt, darunter in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Deutschland, Brasilien, der Türkei, Frankreich, Italien, Polen, Russland und Costa Rica. Olek lebt und arbeitet derzeit in New York City.

Lauren O'Farrell

Auch bekannt unter dem Künstlernamen „Deadly Knitshade“ ist sie Gründerin des berühmtesten Yarn-Bombing -Kollektive „Knit the City“. Die englische Autorin und Künstlerin ist bekannt dafür, eine wichtige Rolle in den Anfängen der britischen Graffiti-Strick-Street-Art-Szene zu haben.

Deadly Knitshade hat auch die „Stitch London Community“ gegründet. Ihr wird zudem zugeschrieben, den bekannten "Stitched Story" Stil im Urban-Knitting entwickelt zu haben.

London Kaye

Ist eine Guerilla-Strickerin und Yarn-Bombing-Künstlerin aus Los Angeles, Kalifornien. Ihre einzigartige Kunstwerken, die vollständig aus Garn bestehen, hat Gemeinden auf der ganzen Welt ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Sie begann in ihrer Anfangszeit, täglich Kunst auf den Straßen von Brooklyn und New York City zu installieren. Schnell wurden Sie mit Ihre Arbeiten bei den Menschen und Unternehmen ihrer Gemeinde bekannt.

Stephen Duneier

Duneier, ist wohl der bekannteste männliche Yarnbomber in der von den Frauen dominierten Yarn-Bombing Szene. Er brachte 2012 erstmals diese Kunstform in die Wildnis, um die Menschen wieder in die Natur zurückzubringen. Sein erstes durchgeführtes Projekt fand im „Los Padres National Forest“ statt. Ein weiteres Projekt war die Überdachung eines 40 Fuß hohen Eukalyptusbaums in den Cold Spring Trail in Santa Barbara, Kalifornien.

Im den folgenden Jahren schaffte er großformatige Kunstinstallationen in den Bergen von Santa Barbara, Kalifornien. Jedes seiner Yarn-Bombing Projekte existiert maximal 9 Tage lang, bevor es wieder verschwindet. Eines seiner berühmtesten Werke ist die „Lizard's Mouth Yarnbomb“ aus dem Jahr 2014, bei der er 18 Felsblöcke in 3.000 Fuß Höhe über Santa Barbara mit handgefertigter Faserkunst umhüllte.


FIBERART INTERNATIONAL

Knit the bridge war das Outreach-Projekt von Fiberart International 2013. Dieses Projekt brachte viele verschiedene Yarn-Bomber in die Gemeinde in Pittsburg zusammen, um eine beeindruckende Garnkunst-Installation auf der „Andy Warhol Bridge“ in Pittsburgh zu schaffen. Dabei arbeiteten mehr als 1800 Strickerinnen zusammen, um große Teile der Brücke mit mehr als 600 bunten Decken zu bespannen.


IST YARN-BOMBING ILLEGAL?

So unglaublich es auch ist, Urban-Knitting bzw. Yarn-Bombing im öffentlichen Raum wird mit dem gleichen Strafmaß, wie Graffiti geahndet. Yarn-Bombing ist somit illegal, es sei denn, dies geschieht mit der Erlaubnis einer Behörde oder eines privaten Eigentümers. Es wird demzufolge als Graffiti klassifiziert und man kann wegen Vandalismus angeklagt werden, wenn man erwischt wird.

Es wird sicherlich beim Strafmaß die Verhältnismäßigkeit abgewogen, da die getätigte Installation ja leicht zu entfernen ist. Eins sei gewiss - Unwissenheit schützt nicht vor einer Strafe.

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