Das Wort Graffiti kommt aus dem italienischen, ist die Plural von Graffito und beschreibt ein Kratzbild oder eine in harten Stein geritzte Zeichnung. Schon die ersten Höhlenmalereien und Funde in der Antike gehören somit laut wissenschaftlicher Definition zu dieser stetig wachsenden Kunstform. Es beschreibt heute vielmehr den nicht genehmigten Einsatz von Farbe auf Wände und Mauern im öffentlichem Raum. In der heutigen, modernen Zeit benutzen die Graffiti-Künstler, fälschlicher Weise auch Sprüher genannt, hierzu einen Marker oder einer Sprühdose. Die Kunst aus der Dose einhält immer einen kreativen Ausdruck in Form von Signaturen (Tags), Motiven, Figuren (Character) politische Parolen oder eine Buchstabengruppe (Style), die meist für die Szene und nicht für den Laien lesbar sind.

Die ersten Writer brachten nun vermehrt Farbe in die damaligen grauen Städte Amerikas und legten damit den Grundstein für das heutige Aussehen der urbanen Stadtbilder. Graffiti ist schon lange mehr, als die meist abwertend bezeichnete "illegale Schmiererei". Städte und Unternehmen beauftragen mittlerweile internationale Künstler, um gezielt Wandbilder, Kunstwerke oder Werbung für die Produkte von Firmen auf Fassaden in das Stadtbild zu integrieren. Die internationale Community hat in den Jahren eine eigene Sprache und Zeichen entwickelt, um unautorisierte Personen den Zugang zu dem inneren Kreis zu verwehren - immer getreu dem dem Motto "On the Run".

In diesem Artikel erfährst du viel Wissenswertes, Hintergründe, Fakten und Infos über diese faszinierende Kunst.

WAS IST GRATTITI?

Das Wort Graffiti lässt sich laut Wissenschaftler bis zur Steinzeit zurückverfolgen. Demnach waren die auf Stein gemalten Tierdarstellungen die ersten künstlerischen Werke der Menschheit. Bei Ausgrabungen im Gebiet des frühen Römischen Reiches datierte man es auf die Antike 78 v.Chr. Beliebte Themen und künstlerische Ausarbeitungen waren hierbei meist von den Alltagsthemen des öffentlichen Lebens geprägt. Die Graffiti-Kunst, wie wir es kennen hat einen näheren nachvollziehbaren Bezug zum Jahr 1940. Während des Zweiten Weltkriegs und des Koreakriegs wurde der bekannte Schriftzug „Kilroy was here“ von amerikanischen Soldaten erstmals weltweit verbreitet. Durch die häufige Verbreitung des Namens war der Ursprung für den Grundgedanken der Kunstrichtung gelegt.

Im Jahr 1949 erfand dann Edward Seymour das markante Arbeitsmittel der Graffiti-Szene die Aerosol-Sprühdose. Das technische Prinzip dahinter ist bis heute kaum verändert worden.

WIE SIND GRAFFITI ENTSTANDEN?

Die modernen Graffiti entstanden Mitte der 1960er Jahre mit der Entstehung der Hip-Hop-Kultur. Der erste überlieferte Graffiti-Künstler der Welt war Darryl McCray „Cornbread“. Später berichtete die „New York Times“ 1971 erstmals über die neue Kunstrichtung in taki183-graffiti-new-york-timesErster Berichterstattung überTaki 183einem Artikel. Berichtet wurde über einen Botenjungen, der seinen Spitznamen mit der Nummer der Straße, in der er wohnte, kombinierte. Das dazu veröffentliche Bild zeigte ein Graffiti-Tag von Taki183, was er zuvor mehrfach, in allen 5 Stadtteilen von New York hinterließ. Das löste einen regelrechten Trend unter den Jugendlichen der Stadt aus. Dieses neue Phänomen und Idee wurde schon vor der Veröffentlichung von wenigen Künstlern der Stadt imitiert, wie beispielsweise die Graffiti-Künstlerin Barbara62 und Eva62.

Der Artikel der populären Tageszeitung führte schließlich dazu, dass nun überall in der Stadt vermehrt eine überwältigende Anzahl der neuartigen Signaturen auftauchten.

Aufgrund der rasant steigenden Anzahl von Graffiti Tags (damals noch Hits genannt) entwickelte sich ein wahrer Wettstreit unter den meist jungen Artists der Stadt. Hierbei galt es, wie heute auch, seinen Namen mit einem Marker oder später dann mit Sprühdosen am häufigsten und an den ausgefallensten Stellen Graffitis zu sprayen.

WAS WAREN DIE ERSTEN GRAFFITI?

In den 1970er Jahren entdeckten die Graffiti-Artists die U-Bahnen und Züge ihrer Stadt als Mittel, um ihre Kunst aus der Dose einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen - die täglich von Millionen Menschen gesehen wurden. LEE163d schrieb erstmals Geschichte, als er als erster Writer seinen Namen mit roter Farbe, gut sichtbar an die Frontseite eines New Yorker U-Bahn Triebwagens platzierte, der von der Bronx nach Manhattan fuhr. Anfang 1972 begannen einzelne Sprayer bzw. Writer, wie der aus der Bronx stammende „SuperKool223", seine Tags dicker zu schreiben und mit einer andersfarbigen Outline (Umrandungslinie) zu umranden. Dies war die Geburtsstunde des Style-Writing.

SuperKool223, TopCat126, Tracy168 und Lee163d waren die ersten Graffiti-Künstler. Sie entwickelten später dann die grundlegenden grafischen Grundtechniken, die heute noch angewendet werden. Wir verdanken dem Künstler TopCat126 den Broadway Stil, der mit seinen charakteristischen eleganten und schlanken Buchstaben den Weg für den späteren Blockbuster Stil ebnete. Der Bubble-Style wurde erstmals von Phase2 entwickelt.

Keiner dieser Schriftstile hatte jedoch so einen großen Einfluss und Wirkung, wie der von Tracy168 entwickelte Wildstyle. .


WIE KAM GRAFFITI NACH DEUTSCHLAND?

Nicht nur das Graffiti sondern die ganze Subkultur des Hip-Hop kam am Anfang der 80er mit zwei Graffiti-Filmen nach Europa: „Beat-Street“ und „Wildstyle“. Diese Filme dokumentierten das neue Lebensgefühl der Ghettos von New York, sowie die zu größten Teilen dort entstandene Musikkultur mit ihren ungewöhnlichen Beats. Der Startschuss für die neuartige Form des künstlerischen Ausdrucks war hiermit für den europäischen Raum gefallen und so begann man auch hier Graffitis für sich zu entdecken. Die amerikanische Graffiti-Art fing an sich in Europa schnell zu verselbstständigten.

Die Styles der europäischen Sprayer waren meist technischer geprägt und der technisch komplexe 3D Style fand durch den deutschen Künstler "Daim" seine Geburtsstunde. Erstmals wurde durch den bewussten Verzicht der Outline und dem Umgang mit Licht und Schatten ein neuer dreidimensionale Writing-Stil geprägt.


GAB ES GRAFFITI IN DER DDR?

Auch in der ehemaligen DDR liefen die Filme zeitlich versetzt im Kino. Breakdance wurde als eine Jugendsportform staatlich gefördert und das Graffiti wurde reglementiert. Das lag nicht nur an den relativ minderwertigen und kaum vorhandenen ostdeutschen Sprühdosen. So konnte keiner seinen systemkritischen Unmut anonym in den Straßen mit anderen teilen oder veröffentlichen. Mit dem Wegfall der Berliner Mauer 1990 änderte sich dieser Zustand schlagartig und der Weg für die Aerosolkunst war geebnet. Die hier ansässigen, ambitionierten Writer lernten schnell und man hatte den damaligen allgemeinen Standard dieser Kunst schnell erreicht.

Im Augenblick ist außerdem eine Tendenz zu immer jüngeren und, für ihr Alter, immer besser werdenden Sprayer erkennbar. Sie müssen nicht mehr durch die Welt reisen, um sich Graffitis anzuschauen und durch sie zu lernen. In Graffiti Büchern, Zeitschriften im Internet und in den sozialen Medien finden die jungen Leute die Informationen und ihre Inspiration meist über Graffiti-Bilder.

WAS SIND DIE MERKMALE VON GRAFFITI?

Dreh- und Angelpunkt beim Graffiti ist das Style-Writing. Es ist eine besondere Art des Schreibens (engl. Writting), bei der der ästhetische Wert des Geschriebenen im Vordergrund steht und nicht seine Bedeutung oder sein Inhalt. Während im Englischen korrekterweise die Akteure Writer, also "Schreiber" genannt werden, wird im deutschen Sprachraum fälschlicher Weise von "Sprühern" gesprochen. Writing wird unter den aktiven Anhängern als eine Form des künstlerischen Ausdrucks angesehen. Hierbei setzt der Writer sein kreatives Gespür ein, um eigene formschöne und komplizierte Buchstaben und Buchstabengruppen (Graffiti Styles Writing) miteinander zu verbinden oder zu kreieren.

Diese Buchstabenkombinationen können hierbei von einfach bis komplex fast unleserlich dargestellt werden. So ist das Tag die erste Grundübung eines jeden Writers, der sich nach Jahren der Übung, Können und Ausdauer bis zum 3D Style entwickeln kann.

 

GEHÖRT GRATTITI ZUM HIP-HOP?

Ja, Graffiti hat seine Wurzeln in der Hip-Hop Kultur. Es ist ein fester Bestandteil der 4 Elemente, die den ursprünglichen Hip-Hop in seiner heutigen Form geprägt haben. Das wohl erste und wichtigste Element war das DJ-ing, aus dem sich die weiteren drei Elemente entwickelt haben. Weitere kreative Komponente, wie das wohl heute populäre MC-ing (Rapping) folgten. Aus der Verknüpfung der vorangegangenen Elementen entstanden die markanten Beats und Rhythmen, die den Charakter der Hip-Hop Kultur stark prägten.

Diese Einflüsse ebneten den Weg für eine neue Form des körperlichen Ausdrucks, das Breakdancing. Später kamen noch ein weiteres Element mit dem Beatboxing hinzu, bei dem Rhythmen/ Beats von den Künstlern erzeugt werden.

WIE UNTERSCHEIDEN SICH GRAFFITI UND STREET ART?

Graffiti ist nicht, wie häufig angenommen Street-Art und der Unterschied liegt in der Herangehensweise. Man könnte also sagen, dass ein Hauptunterschied zwischen den beiden Kunstformen die Absicht der Veröffentlichung ist. Die umgangssprachlichen Sprayer haben nicht die Absicht, dass die Öffentlichkeit ihre Arbeit versteht, und interessieren sich auch nicht dafür. Sie richten ihre Botschaften an andere Personen aus der Szene, die diese auch ausüben. Im Vergleich dazu nutzen Streetart-Künstler die Ideen und Werkzeuge, die mit der artverwandten Kunstform verbunden sind und nutzen sie, um Kunst zu schaffen, die eine Botschaft sendet. Sie haben einfach gesagt andere Interessen in der Veröffentlichung ihrer Bilder.

Die Straßenkünstler, wie beispielsweise Banksy, möchten, dass die Menschen des öffentlichen Lebens ihre Arbeit sehen. Das Ziel besteht hauptsächlich darin Diskussionen und Reaktionen über Ihre Werke auszulösen. Zu den Pionieren und ersten Wegweiser dieser Kunstbewegung gehören Blek le Rat und der Keith Haring.

GRAFFITI IST NICHT GLEICH GRAFFITO?

Das akademische Wort Graffito wird kaum von der Szene verwendet. Es gibt allerdings viele verschiedene Formen von Graffiti. Jede mit ihrem eigenen einzigartigen Stil, ihrer eigenen Technik und typischen Erscheinungsbild. Eine genaue Abgrenzung zwischen den einzelnen Arten ist teilweise schwierig, da teils die verwendeten Techniken überschneiden oder einfach auch nur unsinnig von der Bezeichnung sind. Entgegen den Sprachwissenschaftlern ist und bleibt ein Klo- und Gefängnis Graffiti in der Grundform ein Tag und ist losgelöst von dessen örtlichen Bezug.

Diese aufgeführten Formen haben ein markantes Merkmal oder eine nachvollziehbare Herkunftsgeschichte.

- Etching (Ätzen)

- Ganggraffiti

- Pixação

- Politische Graffiti

- Scratching (Kratzen)

- Style-Writing

- Ultras-Graffiti

 

WAS IST DIE MOTIVATION VON GRAFFITI?

Auch beim Graffiti und auf die Szene trifft nichts mehr, als der Spruch „Alles was verboten ist macht Spaß“ zu. Denn nur so ist es zu erklären, warum sich die größte Kunstbewegung weltweit so rasant entwickelt hat. Schon in den 1980er Jahre suchte man verzweifelt danach diese Kunstform und Sprayer einzudämmen und es kam zum erstem Mal der von James Q. Wilson und George L. Kelling geprägte Begriff der „Broken-Window-Theorie“ ins Spiel. Er beschrieb, dass geringfügiger Vandalismus (Beispiel Scheibe) schnellstmöglich entfernt werden muss, damit weitere Zerstörungen im Stadtteil und das Steigen der damit verbundenen Kriminalitätsrate verhindert wird.

Die Motivationen der meist in der Nacht stattfindenden Aktionen ist eine Mischung aus dem Reiz am Verbotenen und sich gleichzeitig in der Öffentlichkeit künstlerisch auszudrücken. Andere suchen nach einer Gruppen-Zugehörigkeit in einer Crew oder sie streben nach kreativer Mitgestaltung ihrer Umwelt oder nach Anerkennung und dem Fame (engl für Ruhm, Anerkennung) innerhalb der Szene.

 

WARUM GILT GRAFFITI ALS ILLEGAL?

Ja, Graffiti und Sprayen ist gleich zu setzen mit Sachbeschädigung. Dieser Tatbestand wird durch das vom Besitzer unerwünschte Verändern der Bausubstanz erreicht. Dazu zählt unter anderem das Anbringen von Graffiti-Pieces in jeglicher Form. Diese bleiben nicht, wie die Künstlerinnen und Künstler es denken, nur an der Oberfläche, sondern ziehen bis zu 10cm in die Wände ein. Dadurch ist eine restlose Beseitigung der Lacke nur selten möglich. Damit ist der Tatbestand der Sachbeschädigung erfüllt und kann gesetzlich verankert mit mehreren Jahren Freiheitsentzug geahndet werden. Die Akteure halten häufig ihre Aktionen auf einem Video fest, um diese über die sozialen Medien zu teilen. Man sollte sich jedoch vorher überlegen, ob es eine gute Idee ist Videos zu erstellen.

Viel schlimmer sind allerdings für die meisten jugendlichen "Künstler" die sehr hohen Reinigungs- und Beseitigungskosten der Wände, die sie begleichen müssen.

 

WARUM SIND EINIGE GRAFFITI VERBOTEN?

In Deutschland wird Graffiti und das Sprühen bzw. Sprayen von verfassungsfeindlichen Zeichen, Symbolen wozu auch codierte Zahlenfolgen mit verfassungsfeindlichen Inhalt gehören besonders schwer geahndet. Hier hört Kunst und das öffentliche Verständnis definitiv auf!

Beim Graffiti gilt prinzipiell, dass Jugendliche, die das 14. Lebensjahr erreicht haben, strafrechtlich verfolgt werden. Es muss einem bewusst sein, dass die noch nicht beglichenen Kosten der Geschädigten dem Urteil des Gerichtes hinzugefügt werden. Für diese Rechnung kann von den Verurteilten ein Schuldtitel bei Gericht erwirkt werden. Dieser Titel kann bis zu 30 Jahre lang vollstreckt werden. So kann beispielsweise ein Ausflug in ein Yard teuer werden, da die Deutsche Bahn neben der Beseitigung auch die Ausfallszeiten berechnet wird.

 

DAS KLEINGEDRUCKTE

Folgende gesetzlichen Regelungen gelten für Graffitis und die daraus resultierenden Schäden auf öffentliche Wände und Eigentum.

§ 304 Gemeinschädliche Sachbeschädigung

(1) Wer rechtswidrig Gegenstände der Verehrung einer im Staat bestehenden Religionsgesellschaft oder Sachen, die dem Gottesdienst gewidmet sind, oder Grabmäler, öffentliche Denkmäler, Naturdenkmäler, Gegenstände der Kunst, der Wissenschaft oder des Gewerbes, welche in öffentlichen Sammlungen aufbewahrt werden oder öffentlich aufgestellt sind, oder Gegenstände, welche zum öffentlichen Nutzen oder zur Verschönerung öffentlicher Wege, Plätze oder Anlagen dienen, beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer unbefugt das Erscheinungsbild einer in Absatz 1 bezeichneten Sache oder eines dort bezeichneten Gegenstandes nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert.

(3) Der Versuch ist strafbar.

 

Quelle: https://dejure.org/gesetze/StGB/304.html

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