Als Street Art (auch: Streetart) wird die Kunst im öffentlichen Raum , die auf Oberflächen wie Außenmauern, Fassaden und Bürgersteigen aufgetragen wird bezeichnet. Diese anonyme Straßenkunst findet in der Regel im öffentlichen frei zugänglichen Raum statt. Street Art wird als Mittel zur Übertragung einer mit politischen Ideen oder sozialen Kommentaren verbundenen Botschaft verwendet. Im Gegensatz zum Graffiti enthält diese auf- und angebrachte Straßenkunst nicht immer eine Malerei. Die Techniken der Street Art sind hierbei vielfältig und werden in diesem Themenartikel näher vorgestellt.

WIE UNTERSCHEIDET SICH STREET ART VON GRAFFITI?

Aber wie unterscheidet sich Street-Art von Graffiti? Diese Frage gibt viel Raum für Diskussionen und Argumente. Während beide Formen des öffentlichen Ausdrucks nicht immer mit der Erlaubnis von Eigentümern gemacht werden, hat Street Art andere Ziele als das Graffiti. Man könnte also sagen, dass ein Hauptunterschied zwischen Graffiti und Street Art die Absicht der Veröffentlichung ist. Graffiti-Künstler haben traditionell nicht die Absicht, dass die Öffentlichkeit ihre Arbeit versteht, und interessieren sich auch nicht dafür. Sie richten ihre Botschaften an andere Personen aus der Szene, die diese Kunstform auch ausüben. Im Vergleich dazu nutzen Street-Art-Künstler die Ideen und Werkzeuge, die mit Graffiti verbunden sind und nutzen sie, um Kunst zu schaffen, die eine Botschaft sendet. Die Straßenkünstler möchten, dass die Menschen des öffentlichen Lebens ihre Arbeit sehen, weil ihr Ziel darin besteht, Diskussionen und Reaktionen auszulösen.

In Wahrheit ist die Definition von Street Art immer noch nicht fertig geschrieben und diese Kunstform entwickelt sich ständig weiter. Aber woher kommt die Sraßenkunst?

STREET ART GESCHICHTE

Was die zeitgenössische Street Art angeht, können wir ihre Anfänge bei dem Graffiti Tag oder das Scratchen von Initialen eines Namens im öffentlichem Raum in den späten 1960er Jahren in New York nachweisen. Später wurde dann die Straßenkunst von Graffitikünstlern der 1970er und 1980er Jahre mit Throw Ups und den bekannten Blockbuster weiterentwickelt, die ihre Kunst öffentlich machten, um gegen die Regeln der Gesellschaft zu reagieren und zu rebellieren.

WER WAREN DIE GRÜNDER DER STREET-ART?

So entstand in Paris Street Art mit den ersten Stencil, die meist mit einer politischer Aussage verbunden waren. Die Street Art-Künstler begannen zeitgleich, ähnliche Methoden anzuwenden. Künstler wie HARALD NAEGLI , der 1977 in Zürich seine bekannten Strichmännchen malte und KEITH HARING , der in den 1980er Jahren in der New Yorker U-Bahn Hunderte Kreidebilder zeichnete, erregten die Aufmerksamkeit der Kunstwelt. Letzterer genießt noch heute den Pionierstatus und ist ein wichtiger Wegbereiter der Szene.

STREET-ART-KÜNSTLER IM ÖFFENTLICHEN RAUM

Als weitere wichtige Wegbereiter der Street Art Szene sind der in den 1980er Jahre in Paris lebende Künstler BLEK (LE RAT) und der in Los Angeles 1989 aktiv werdende Street Art Künstler SHEPARD FAIREY (OBEY) zu nennen. Ende der 1990er Jahre begann dann der New Yorker Künstler WK INTERACT seine überlebensgroßen Plakate auf urbane Wände zu kleben. Zeitgleich tauchten in Bristol (England) erstmals die Ratten des wohl bekanntesten Vertreter der weltweit größten Kunst Bewegung Banksy auf.

Wer mehr über das Thema und deren Künstler erfahren möchte und mal in Holland ist, sollte das Street Art Museum Amsterdam besuchen.

STREET ART TECHNIKEN

Die umgangssprachlichen Straßenkünstler benutzen mittlerweile verschiedener Medien, wie Marker, Pinsel, Malerrollen, Spraydosen, Aufkleber, Poster, um ihre Werke aufzutragen oder herzustellen .

Im folgenden stellen wir die Techniken näher vor. Weitere Begriffserklärungen zu dieser künstlerischen Ausdrucksform findest du in unserem Graffiti Lexikon. Dieses wird immer von uns aktualisiert und es hilft dir dabei die eigene Sprache der Szene zu verstehen.

AD-BUSTING

Ad-Busting meint die teilweise oder gänzliche Veränderung von Werbung im öffentlichen Raum. So werden beispielsweise Werbeplakate überklebt oder deren Message soweit verändert das der Sinn verdreht und ins lächerliche gezogen wird. Laut dem Buch „Urban Art Core – Anleitung für Street Art Aktivisten,“ wird Adbusting schon seit den 1970er Jahren von der in San Francisco ansässigen Billboard Liberation Front praktiziert. Die Kanadische Organisation „Adbusters“ bringt seit Ende der 1980er Jahre ein gleichnamiges Magazin heraus und organisiert Kampagnen wie den „Buy-Nothing-Day“ und die TV-Turnoff-Week. Neben der Kritik an das Aufdrängen von Werbung im allgemeinen, hinterfragen Adbuster kritisch, wer das Recht besitzt öffentlich mittels Werbung im öffentlichen Raum zu kommunizieren.

STICKER

Sticker haben die Funktion, eigene Objekte im urbanen Raum zu verteilen. Alles was man benötigt, sind ein Motiv oder ein Slogan, die man dann in Massen produzieren lassen kann. Beim Vorbeigehen ist der Sticker schnell auf eine Fläche geklebt.

Am häufigsten verbreitet ist der Päckchenaufkleber. Er ist in jeder Post-Filiale Deutschlands zu finden. Dieser wird dann zweckentfremdet und hat mittlerweile Kultstatus erreicht. Das liegt besonders an seiner Klebekraft. Die Motive werden mit den unterschiedlichsten Techniken übertragen, von Filzmarkern über Schablonen, Farbstifte, Stempel, bis hin zu Laser- und Siebdruck. Häufig findet man die fertigen Sticker auf Regenfallrohren, Schaltkästen, Laternenpfählen, Ampeln, Schaufensterscheiben, Automaten, Marmorwänden, Briefkästen, Bau-Türen und Schildern.

CUT-OUT

Ein Cut–Out (Paste-Up) ist ein Ausschnitt eines Motiv . Die Größe variiert und kann von sehr klein bis zu mehreren Meter hoch sein Die Motive können alles mögliche zeigen wie z.B. Tiere, Menschen, Autos etc. zeigen. Meist werden die Motive schwarz/weiß kopiert und sind entweder Kopien oder vollständig handgefertigte Unikate.

URBAN KNITTING

Urban Knitting (Yarn-Bombing) ist eine Form von Street Art in der Gegenstände im öffentlichen Raum teilweise oder gänzlich mit Strickelementen versehen werden. Eine wahre Meisterin und führende Künstlerin auf diesem Gebiet ist die Polin Olek Yarn.

KREIDEZEICHNUNGEN

Kreide besteht aus der Schale fossiler Tiere und ist ein feinerdiger, weissfarbener Kalkstein. Sie wirkt kindlich und unschuldig und ist dadurch ein legitimiertes Mittel zum Eingriff in den Stadtraum, zudem ein schnelles und einfaches Mittel. Aufgrund ihrer Größe passt sie in jede Hosentasche und kann spontan genutzt werden, um Spuren zu hinterlassen.

Häufig findet man Kreidezeichnungen auf rostigen Flächen, glattem Putz, Holzzäunen, Backsteinfassaden, Asphaltstrassen und Gehwegplatten. Beliebtestes Kreidemotiv sind Schattenzeichnungen, bei denen die Konturen einer Person nachgezeichnet werden.

KACHELN

Bei Kacheln handelt es sich um handelsübliche Kacheln. Diese werden im eigentlichen Sinn genutzt oder es wird mittels Siebdruck, ein Motiv aufgebracht. Mit einem Kleber wird die Kachel an der Wand befestigt.

ROLL-ON

Roll-On ist eine Farbtechnik, mit der meist grossflächig mittels Farbrolle, Teleskopstange und Fassadenfarbe ein Motiv an die Wand gerollt wird. Die in Sao Paulo besonders beliebte und eigenständig entwickelte Technik wird nicht nur von Dächern auf Fassaden heruntergemalt, sogar ganze Häuser werden mit riesigen Zeichen überrollt. Diese „Häusertattoos“ bestechen durch klare Balkenstärke bei Buchstaben und die sog. „laufenden Nasen“, die durch die flüssige, herunterlaufende Farbe entstehen. Der beliebteste Fabstoff ist Bitumen. Bitumen ist ein Wasser abweisender Dachlack, gut deckend, lösungsmittelhaltig und tiefschwarz. Bitumen ist besonders schwer von der Häuserwand zu entfernen.

DAS „POCHOIR“

Das Schablonensprühen ist eine sehr alte Reproduktionstechnik. Es wurde in den 1980er Jahren durch den Pariser Künstler „Blek Le Rat“ geprägt. Nachdem er lebensgrosse Figurenschablonen (Stencils) in Paris verteilte, brach dort ein regelrechter „Pochoirboom“ aus. Die Schablonen bestehen oft aus Papier, Pappkarton, Kunststoff und dünnem Aluminium.

Die Wahl des Materials ist abhängig von der Häufigkeit der Benutzung. Das Motiv wird entweder aufgemalt, gedruckt oder aufgeklebt, bevor es mit einem Cutter, Skalpell oder einer Schere ausgeschnitten wird. Mit Hilfe einer Sprühdose wird das Motiv dann auf eine Oberfläche gesprüht.

INSTALLATIONEN

Installation ist, einfach ausgedrückt, das Anbringen von Gegenständen im urbanen Raum, welche dort so nicht hingehören. Die Installation ist ein „Raum ergreifendes Genre“. Es geht dabei nicht um das einfache Anbringen eines Objekts, vielmehr um eine „narrative räumliche Inszenierung“ . Es besteht zwar eine Nähe zur Kunst im öffentlichen Raum, jedoch arbeitet der Künstler bei Street Art Installationen ohne Auftraggeber und fragt auch nicht nach Genehmigungen bei den Stadtvätern. Es geht hierbei um Eingriffe in das bestehende Code- und Zeichensystem der Stadt und Straße. So werden „Fake Baustellen“ aufgebaut oder handelsübliche Getränkekisten zu einer riesigen Figur zusammengeklebt.

WAS IST MURAL ART?

Murals sind riesige Bilder an Häuserfassaden. Das Mural unterscheidet sich von anderen Werken durch seine enormen Ausmaße und durch die Tatsache, dass es sich im Gegensatz zu anderen Street Art Werken um legale Arbeiten handelt. In Berlin und anderen großen urbanen Städten ist das Bemalen von Fassaden durch Street Art – Akteure seit diversen Ausstellungen populär geworden. Wahre Mural – Meister sind der italienische Künstler „BLU“ und der Franzose „JR“ .

STREET ART VS. KOMMERZIALISIERUNG

Ausdrucksmittel der Street Art werden gegenwärtig von Unternehmen aufgegriffen, um Jugendliche zielgerichtet mit ihren Guerilla-Marketing zu erreichen und ihre Marke ein jugendgemäßes Image zu geben. Weit verbreitet sind dabei das Anbringen von Werbeaufklebern im urbanen Raum. Die Firmen verteilen gratis Sticker, um Personen zur Werbung ihren Marken zu bewegen. Hierbei sind insbesondere die Firmen Nike und Sony zu benennen. Letztere nutzte eigennützig eine Street Art Galerie zur Vermarktung der PlayStation Portable.

Grundsätzlich stößt diese Form der Werbung in der Street Art Szene auf Widerstand und wird kritisiert. Der Ursprung dieser Kunstrichtung ist der Kampf gegen Kapitalismus und der Konsumgesellschaft sowie die Hinwegsetzung über die Privatisierung urbaner Räume. Dieses steht im Gegensatz zu dem Verständnis der Firmen.

IST STREET ART ILLEGAL?

Laut geltendem Recht bzw. Strafgesetzbuch ist gemäß § 304 StGB ist die rechtswidrige Beschädigung, Zerstörung sowie das Verändern des Erscheinungsbildes von:

  • religiösen Einrichtungen und Gegenständen,

  • Grab- und öffentliche Denkmälern,

  • Gegenständen in öffentlichen Sammlungen und

  • Gegenständen des öffentlichen Nutzens

strafbar und wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet. Nähere Informationen unter folgendem Link: https://dejure.org/gesetze/StGB/304.html

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Der Artikel entstand mit der Unterstützung von Björn Beth (ehemals hackenteer.com).